Dresden

Dresdner Stollen – Ein Original aus Friedrichstadt

Veröffentlicht am 14. Dez 2015
Dresdner Stollen – Ein Original aus Friedrichstadt
Dresdner Stollenfest 22. Dresdner Stollenfest
Schutzverband Dresdner Stollen e. V., Michael Schmidt

Die Hälfte der Türchen am Adventskalender wurden bereits geöffnet und die Weihnachtstage rücken immer näher. Doch was wäre ein Weihnachtsfest ohne den echten Dresdner Stollen?

Der Dresdner Christstollen fand 1474 eine erstmalige Erwähnung auf einer Rechnung des christlichen Bartolomai-Hospitals im heutigen Bezirk Friedrichstadt. Das mittelalterliche Fastengebäck, das auch Striezel genannt wurde, bestand ursprünglich nur aus Mehl, Hefe und Wasser und war geschmacklich fernab von „köstlich“. Die sächsischen Kurfürsten Ernst und Albrecht III erahnten schon früh das Potenzial des Gebäcks und baten 1450 den Papst um eine Lockerung der Fastenbackvorschrift. Die vatikanische Bürokratie stellte die sächsischen Kurfürsten und Bäcker auf eine harte Geduldsprobe. Erst im Jahre 1491, fünf Stellvertreter Gottes später, gab Papst Innocenz VIII der Bitte endlich statt und erlaubte im „Butterbrief“ die Verwendung gehaltvollerer Zutaten.

Seit 1500 werden auf dem Dresdner Striezelmarkt „Christbrote uff Weihnachten“ verkauft, was dem Markt auch zu seinem Namen verhalf. Auch der Adel erfreute sich an dem Gebäck: Seit 1560 brachten an jedem zweiten Weihnachtsfeiertag acht Meister und Gesellen dem König zwei Stollen von je 1,50 Meter Länger und 36 Pfund Gewicht. Erst mit dem Ende der Monarchie im Jahr 1918 endete die Tradition.

Ein besonders großer Liebhaber des Dresdner Stollens war August der Starke. Anlässlich des Zeithainer Lustlagers, einem legendären Fest mit mehr als 20.000 geladenen Gästen, ließ er 1730 einen 1,8 Tonnen schweren Riesenstollen backen. Diesem Höhepunkt der Stollengeschichte wird seit 1994 mit dem Stollenfest auf dem Striezelmarkt gedacht, das immer am Sonnabend vor dem 2. Advent stattfindet. Eine Woche vor dem Fest wird ein riesiger Stollen unter strenger Aufsicht des Stollenschutzverbandes gefertigt. Nach einer farbenfrohen Prozession durch die Altstadt schneidet ein ausgewählter Bäckermeister mit Hilfe des Dresdner Stollenmädchens mit einem 1,60 Meter langen und 12 Kilogramm schweren Stollenmesser das Backwerk an. Die Portionen werden für einen guten Zweck verkauft. Der schwerste bisher gebackene Dresdner Stollen ging mit 4.246 Kilogramm im Jahr 2013 in das Guinnesbuch der Rekorde ein.